Die Fachsprachprüfung (FSP) ist eine sprachliche Prüfung – aber sie prüft Sprache im klinischen Kontext. Wer die typischen Prüfungssituationen kennt und geübt hat, geht entspannter in die Prüfung.

Dieser Artikel enthält 10 typische FSP-Übungsfragen mit professionellen Musterantworten. Üben Sie laut – am besten mit einem Partner, der Ihnen Feedback gibt.

1. Anamnese erheben (Arzt-Patienten-Gespräch)

Aufgabe: Sie sind Ärztin/Arzt und führen ein Aufnahmegespräch mit einer 72-jährigen Patientin, die wegen Atemnot und Husten kommt. Stellen Sie die ersten Fragen.

Musterantwort:

„Guten Morgen, Frau Meier. Ich bin Dr. Schmidt. Schön, dass Sie da sind. Ich werde Ihnen jetzt ein paar Fragen stellen, um zu verstehen, was Ihnen fehlt.

Erstens: Was führt Sie zu uns? – Seit wann haben Sie die Atemnot und den Husten?

Zweitens: Die Symptome genauer. – Ist der Husten trocken oder produktiv? Haben Sie Auswurf? Haben Sie Fieber?

Drittens: Der Verlauf. – War die Atemnot plötzlich da oder hat sie sich über Tage entwickelt? Können Sie nachts flach liegen oder brauchen Sie mehrere Kissen?

Viertens: Vorerkrankungen. – Haben Sie bekannte Vorerkrankungen, zum Beispiel Asthma, COPD oder eine Herzerkrankung?”

2. Aufklärung und Befundmitteilung

Aufgabe: Sie müssen einer 55-jährigen Patientin mitteilen, dass im Röntgen-Thorax eine Verschattung aufgefallen ist und eine weitere Abklärung nötig ist.

Musterantwort:

„Frau Müller, ich habe heute Ihr Röntgenbild befunden. Es hat sich gezeigt, dass im rechten Unterlappen eine Verschattung zu sehen ist. Das kann verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel eine Entzündung, aber manchmal auch etwas anderes.

Wir müssen das jetzt weiter abklären. Ich schlage vor, wir machen ein CT vom Thorax und überlegen dann, ob eine Bronchoskopie nötig ist. Ich möchte Sie auf jeden Fall engmaschig betreuen.

Haben Sie Fragen dazu? Machen Sie sich jetzt bitte nicht zu viele Sorgen – wir gehen das Schritt für Schritt an.”

3. Fallvorstellung / Übergabe

Aufgabe: Stellen Sie folgenden Fall einem Kollegen strukturiert vor: 68-jähriger Patient, Z. n. Hüft-OP, postoperativ Fieber und Rötung der Wunde.

Musterantwort (ISBAR):

Identify: Ich stelle Ihnen Herrn Wagner vor, 68 Jahre, Station 3, Zimmer 312.

Situation: Herr Wagner ist postoperativ Tag 2 nach Hüft-TEP links. Seit heute Morgen hat er Fieber bis 38,9 °C. Die Wunde ist gerötet und geschwollen. Der Patient klagt über zunehmende Schmerzen im OP-Gebiet.

Background: Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2. OP: Hüft-TEP links bei Coxarthrose. Antibiotikaprophylaxe perioperativ mit Cefuroxim.

Assessment: Ich vermute einen beginnenden Wundinfekt. Die Vitalzeichen: RR 145/85, Puls 98/min, SpO₂ 97 %, Temperatur 38,9 °C. Die Wunde ist palpatorisch überwärmt.

Recommendation: Ich schlage vor: 1. Wundabstrich für Mikrobiologie, 2. Blutentnahme mit CRP und Leukozyten, 3. großes Blutbild, 4. Rücksprache mit der Chirurgie. Bitte übernehmen Sie die weitere Überwachung.”

4. Arztbrief schreiben (Einleitung)

Aufgabe: Verfassen Sie die Einleitung eines Entlassungsbriefs für eine 45-jährige Patientin nach stationärer Behandlung bei Pneumonie.

Musterantwort:

Betreff: Entlassungsbrief, Frau Anna Weber, geb. 12.03.1981

Diagnose: Mittelgradige Pneumonie des rechten Unterlappens bei COPD (GOLD II)

Anamnese: Die Patientin stellte sich am [Datum] mit Fieber bis 39,2 °C, produktivem Husten mit gelblichem Auswurf und progredienter Dyspnoe seit 4 Tagen vor. Vorerkrankungen: COPD GOLD II, Nikotinabusus 35 PY.

Aufnahmebefund: Bei Aufnahme reduzierter Allgemeinzustand. Auskultatorisch feuchte RG über dem rechten Unterlappen. RR 130/80, Puls 95/min, SpO₂ 91 % unter Raumluft, Temperatur 38,8 °C.

Therapie: Wir leiteten eine kalkulierte Antibiose mit Amoxicillin/Clavulansäure 875/125 mg 1-0-1-0 p.o. ein. Zusätzlich erfolgte eine Inhalationstherapie mit Salbutamol und Ipratropiumbromid 3× täglich sowie Atemgymnastik und Sekretolytika.

5. Kritische Nachfrage des Prüfers

Aufgabe: Der Prüfer fragt: „Warum haben Sie sich für dieses Antibiotikum entschieden?”

Musterantwort:

„Ich habe mich für Amoxicillin/Clavulansäure entschieden, weil die Patientin eine ambulant erworbene Pneumonie bei COPD hat. Nach den aktuellen S3-Leitlinien ist bei COPD-Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie ein Aminopenicillin mit Betalaktamase-Inhibitor Mittel der ersten Wahl.

Die Patientin hat keine Penicillin-Allergie in der Vorgeschichte, und die Nierenfunktion ist mit einem Kreatinin von 0,9 mg/dl normal. Die Dosis von 875/125 mg 2× täglich entspricht der Standarddosierung bei normaler Nierenfunktion.”

6. Aufklärungsgespräch vor einer Untersuchung

Aufgabe: Klären Sie einen 60-jährigen Patienten über eine Koloskopie auf.

Musterantwort:

„Herr Schneider, ich habe Sie heute zu einem Gespräch eingeladen, weil bei der Vorsorgeuntersuchung Blut im Stuhl gefunden wurde. Wir möchten daher eine Darmspiegelung, eine Koloskopie, durchführen.

Dabei führen wir ein dünnes, flexibles Endoskop über den After in den Darm ein. Die Untersuchung dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Sie bekommen ein Beruhigungsmittel, sodass Sie die Untersuchung nicht bewusst miterleben. Sie spüren keine Schmerzen.

Wichtig ist: Sie müssen am Vortag flüssig essen und abführen, damit der Darm sauber ist. Nach der Untersuchung dürfen Sie 24 Stunden kein Auto fahren.

Mögliche Risiken sind selten, aber möglich: Verletzung der Darmwand (Perforation) in weniger als 0,1 % der Fälle, Nachblutung nach Abtragung von Polypen oder eine allergische Reaktion auf das Beruhigungsmittel. Haben Sie Fragen?”

7. Beschwerden eines Patienten verstehen

Aufgabe: Ein Patient sagt: „Ich habe seit Wochen diese Schmerzen im Bauch, immer nach dem Essen, und dann wird mir schlecht.” Fassen Sie zusammen und fragen Sie nach.

Musterantwort:

„Verstehe. Sie haben also seit Wochen Bauchschmerzen, die immer nach dem Essen auftreten, und dazu kommt Übelkeit. Lassen Sie mich noch genauer nachfragen:

Genauer Ort: Wo genau tut es weh? Ist es eher im Oberbauch oder im Unterbauch? Rechts, links oder in der Mitte?

Schmerzqualität: Ist der Schmerz stechend, drückend oder krampfartig?

Ausstrahlung: Strahlt der Schmerz in den Rücken aus?

Begleitsymptome: Haben Sie Sodbrennen, saures Aufstoßen, Durchfall oder Verstopfung?

Auslöser: Welche Speisen lösen die Beschwerden aus – zum Beispiel fettiges Essen, Kaffee oder Alkohol?”

8. Telefonische Rückmeldung an Angehörige

Aufgabe: Ein Sohn ruft an und fragt nach dem Zustand seiner Mutter, die auf Ihrer Station liegt. Geben Sie eine professionelle Auskunft.

Musterantwort:

„Guten Tag, Herr Meyer. Ich bin Dr. Schmidt und behandle Ihre Mutter. Ihre Mutter hatte heute einen stabilen Tag. Die Laborwerte haben sich etwas verbessert, insbesondere die Entzündungswerte sind rückläufig.

Die Antibiotikatherapie läuft planmäßig. Das Fieber ist heute nicht mehr aufgetreten. Ihre Mutter isst bereits wieder kleine Mahlzeiten und kann mit Hilfe aufstehen.

Wir gehen davon aus, dass sie in den nächsten Tagen auf die Normalstation verlegt werden kann. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten. Wenn Sie konkrete Fragen haben, rufen Sie bitte in der Zeit zwischen 10 und 12 Uhr an, dann erreichen Sie mich direkt.”

9. Medikamente erklären

Aufgabe: Erklären Sie einem 75-jährigen Patienten die Neueinstellung auf Metformin bei Diabetes mellitus Typ 2.

Musterantwort:

„Herr Wagner, bei Ihnen wurde ein Diabetes mellitus Typ 2 festgestellt. Ich möchte Sie daher auf ein Medikament einstellen, das Metformin heißt.

Metformin senkt Ihren Blutzucker, indem es die Zuckerneubildung in der Leber hemmt und die Wirkung Ihres körpereigenen Insulins verbessert. Sie nehmen es zum Essen ein – 1 Tablette morgens und 1 Tablette abends.

Wichtig: Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen, vor allem Übelkeit oder Durchfall zu Beginn. Diese bessern sich meist nach einigen Tagen. Nehmen Sie das Medikament nicht ein, wenn Sie schwer krank sind oder eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel bekommen – fragen Sie in solchen Fällen immer Ihren Arzt.

Wir kontrollieren in 4 Wochen Ihren Langzeitzucker (HbA1c) und passen die Dosis dann an.”

10. Kultur- und Sprachsensibel kommunizieren

Aufgabe: Sie haben einen Patienten aus Syrien, der erst seit 2 Jahren in Deutschland lebt und noch nicht sicher Deutsch spricht. Wie gestalten Sie das Gespräch?

Musterantwort:

„Ich werde das Gespräch langsam und in einfacher Sprache führen. Ich vermeide komplexe Satzstrukturen und Fachbegriffe, oder erkläre sie, wenn ich sie verwenden muss.

Ich frage zunächst, ob er versteht, was ich gesagt habe: ‚Habe ich das gut erklärt? Möchten Sie etwas wiederholt haben?’ Ich gebe ihm Zeit zum Nachdenken und Nachfragen.

Falls nötig, verwende ich einfache Wörter oder zeige auf Körperteile. Ich könnte auch fragen, ob ein Familienmitglied oder ein Sprachmittler beim nächsten Gespräch dabei sein kann.

Wichtig ist, dass ich respektvoll bleibe und den Patienten nicht wie ein Kind behandle. Ich dokumentiere im Arztbrief, dass das Gespräch auf Deutsch mit einfacher Sprache geführt wurde und der Patient die Inhalte bestätigt hat.”

So bereiten Sie sich weiter vor

Diese 10 Fragen sind ein Ausschnitt aus typischen FSP-Situationen. Für eine gezielte Vorbereitung empfehle ich:

  1. Jede Situation laut üben – mindestens 3× wiederholen
  2. Mit einem Partner oder einer Lehrkraft simulieren
  3. Sich selbst aufnehmen und die Antwort analysieren
  4. Die Struktur jeder Antwort klar halten (Einleitung – Hauptteil – Zusammenfassung)

Mehr zur Prüfungsvorbereitung lesen Sie in meinem Artikel Was ist die Fachsprachprüfung (FSP)?.

Fazit

Die FSP prüft nicht Ihr medizinisches Wissen, sondern Ihre sprachliche Kompetenz im klinischen Kontext. Strukturierte Antworten, klare Aussprache und sicheres Reagieren auf Nachfragen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Sie möchten diese Situationen mit professionellem Feedback üben? Vereinbaren Sie eine kostenlose Probestunde – wir simulieren die FSP unter realistischen Bedingungen.