Der schriftliche Teil der FSP ist ein Arztbrief auf einer Seite. Wer die Struktur beherrscht, besteht ruhig. Wer frei erzählt, verliert Punkte trotz gutem Deutsch.
Ich korrigiere jede Woche Arztbriefe von Kandidaten. Das Muster ist fast immer gleich: starke Anamnese, schwacher Befundteil, fehlendes Procedere. Die gute Nachricht: Der Brief ist kein Aufsatz über Talent. Er ist ein Formular mit Fachsprache. Hier finden Sie das Gerüst, das die Kommission sehen will — mit Sätzen, die Sie direkt übernehmen können.
Einordnung: Was die FSP genau verlangt, steht in Was ist die Fachsprachprüfung. Mündliche Fragetypen trainieren Sie mit FSP Übungsfragen und Musterantworten. Die 5 Minuten davor üben Sie mit Fallvorstellung in der FSP. Hier geht es nur um den Brief.
Die Struktur in 6 Bausteinen
Schreiben Sie in dieser Reihenfolge. Jeder Baustein bekommt eine eigene Zeile oder einen eigenen Absatz. Die Kommission liest quer — was sie nicht an der erwarteten Stelle findet, gilt als fehlend.
- Kopf: Name, Geburtsdatum, Aufnahmedatum, Station. Ein Satz genügt. Beispiel: Herr Meyer, geb. 12.03.1963, Aufnahme am 03.09. über die Zentrale Notaufnahme, aktuell Kardiologie Station 4.
- Anamnese: Aktuelle Beschwerden mit Dauer, Vorgeschichte, Medikamente mit Dosis, Allergien, Noxen kurz. Immer mit Zeitangabe: seit wann, seit Aufnahme oder seit Jahren.
- Befunde: Körperliche Untersuchung, Vitalwerte, Labor und Bildgebung — jeweils mit Wert und Datum. Keine Deutung, nur Fakten.
- Diagnose: Haupt- und Nebendiagnosen in Fachsprache mit ICD-Logik, ohne Deutung. Die Diagnose steht allein, nicht versteckt im Befundtext.
- Therapie: Was wurde getan: Eingriff oder Prozedur mit Datum, Medikamente mit Dosis und Art, Überwachung, Aufklärung.
- Procedere: Was folgt: Verlegung oder Entlassung, Kontrollen mit Zeitangabe, Wiedervorstellung. Jeder Brief endet mit einem Plan.
Die Bundesärztekammer beschreibt den Arztbrief als zentrales Kommunikationsmittel zwischen Ärzten, siehe baek.de. In der Prüfung gilt dasselbe: Der Brief muss ohne Rückfragen verständlich sein. Auch das Portal Anerkennung in Deutschland führt die FSP als Schritt zur Approbation. Der Brief ist also kein Schulaufsatz, sondern Berufsalltag.
Vollständiges Mini-Muster zum Abschauen
So sieht ein bestandener Brief im Kern aus. Eine Seite, sechs Absätze, keine Prosa:
Herr Meyer, geb. 12.03.1963, wurde am 03.09. mit thorakalen Schmerzen über die ZNA aufgenommen, aktuell kardiologische Normalstation.
Anamnestisch seit zwei Tagen bestehende retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm, dazu Dyspnoe bei Belastung. Vorbekannt: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2. Medikation bei Aufnahme: Metformin 1000 mg 1-0-1, Ramipril 5 mg 1-0-0. Allergien: keine bekannt. Nikotin: ca. 20 Packungsjahre, seit Aufnahme abstinent.
Aufnahmebefund 03.09.: AZ stabil, RR 145/90 mmHg, Puls 88/min, SpO2 96 % ohne O2-Gabe. Herztöne rhythmisch, keine Ödeme, Lunge vesikulär. Labor 03.09.: Troponin erhöht, CRP 42 mg/l. EKG 03.09.: ST-Hebungen in II, III, aVF.
Diagnosen: 1. Akuter ST-Hebungsinfarkt inferior. 2. Arterielle Hypertonie. 3. Diabetes mellitus Typ 2.
Therapie: Herzkatheter mit Stentversorgung der rechten Koronararterie am 03.09. ASS 100 mg 1-0-0, Clopidogrel 75 mg 1-0-0, Heparin per Fusor. Rhythmusmonitoring. Aufklärung über Diagnose und Therapie erfolgt, Fragen geklärt.
Procedere: Verlegung auf die kardiologische Normalstation zur Rhythmusüberwachung. Kontrolle von Troponin und EKG in 24 Stunden. Bei stabilem Verlauf Entlassung mit Reha-Anmeldung in 5 bis 7 Tagen, Wiedervorstellung beim Hausarzt in einer Woche.
Kopieren Sie nicht den Fall, kopieren Sie das Gerüst: Kopf in einem Satz, Anamnese mit Zeiten, Befunde mit Werten und Datum, Diagnose als Liste, Therapie mit Dosen, Procedere mit Fristen.
Musterformulierungen zum Übernehmen
Beachten Sie den Stil: kurze Sätze, Passiv wo üblich, lateinische Begriffe in der Diagnose, deutsche Erklärung im Aufklärungssatz.
- Anamnese: Der 62-jährige Patient stellt sich mit seit zwei Tagen bestehenden thorakalen Schmerzen vor. Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2. Medikation: Metformin 1000 mg 1-0-1, Ramipril 5 mg 1-0-0. Allergien: keine bekannt. Nikotin: 20 Packungsjahre, seit Aufnahme abstinent.
- Befund: AZ stabil, BZ 145/90, Puls 88, SpO2 96 Prozent ohne Sauerstoff. Herz rhythmisch, keine Ödeme. Labor vom 3.9.: Troponin erhöht, CRP 42. EKG: ST-Hebungen in II, III, aVF. Schreiben Sie immer dazu: vom wann. Ein Wert ohne Datum ist in der Prüfung ein halber Wert.
- Diagnose: Akuter ST-Hebungsinfarkt inferior. Nebendiagnosen: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2. Vertauschen Sie nicht Befund und Diagnose: „Troponin erhöht” ist ein Befund, „Myokardinfarkt” ist die Diagnose.
- Therapie: Herzkatheter mit Stentversorgung der rechten Koronararterie am Aufnahmetag. ASS 100 mg, Clopidogrel 75 mg, Heparin per Fusor. Aufklärung über Diagnose und Therapie erfolgt. Jede Dosis braucht Einheit und Schema: 100 mg, 1-0-0, per os oder i.v.
- Procedere: Verlegung auf die kardiologische Normalstation zur Rhythmusüberwachung. Kontrolle von Troponin und EKG in 24 Stunden. Bei Stabilität Entlassung mit Reha-Anmeldung in 5 bis 7 Tagen. Kein Procedere ohne Zeit: in 24 Stunden, in einer Woche, in 5 bis 7 Tagen.
Drei Bausteine für das Passiv, das die Kommission hören will: wurde aufgenommen, wurde versorgt, wurde aufgeklärt. Dazu Zeitadverbien: bei Aufnahme, am Aufnahmetag, seit zwei Tagen, in 24 Stunden.
Zeitplan für 60 Minuten
- 10 Minuten: Fall lesen und markieren: Daten, Werte, Zeitachse. Unterstreichen Sie alles mit Zahl: Alter, Daten, Dosen, Werte.
- 10 Minuten: Gliederung mit sechs Überschriften auf Konzept schreiben. Nur Stichwörter, keine Sätze.
- 30 Minuten: Reinschrift, ein Baustein nach dem anderen. Nicht springen, nicht korrigieren, erst fertig schreiben.
- 10 Minuten: Kontrolle mit Checkliste (siehe unten). Erst dann abgeben.
Wer ohne Gliederung startet, schreibt doppelt. Die Gliederung ist die halbe Note.
Kontroll-Checkliste in 60 Sekunden
Gehen Sie den Brief von oben nach unten durch und haken Sie ab:
- Kopf mit Name, Geburtsdatum, Aufnahmedatum da?
- Anamnese mit Dauer (seit wann) und Medikation mit Dosis?
- Jeder Befund mit Wert und Datum?
- Diagnose als eigene Liste, in Fachsprache?
- Therapie mit Dosis, Art und Datum des Eingriffs?
- Procedere mit was, wo und wann?
- Kein Umgangssprache-Wort übrig (Zucker, Blutdruck etwas hoch, Wasser in den Beinen)?
Fehlt ein Punkt, schreiben Sie einen Satz dazu. Ein ergänzter Satz rettet mehr Punkte als drei perfekte Sätze anderswo.
Drei Fehler, die ich oft sehe
Erstens: Anamnese und Befund vermischt. Falsch: Patient hat hohen Blutdruck und Zucker. Richtig trennen: Anamnese — Vorbekannt: arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2. Befund — Aufnahme-RR 145/90 mmHg, BZ nüchtern 168 mg/dl am 03.09. Was der Patient erzählt, gehört in die Anamnese. Was Sie messen, gehört in den Befund.
Zweitens: Umgangssprache statt Fachsprache. Falsch: Zucker und Blutdruck etwas hoch, Wasser in den Beinen. Richtig: Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie, Unterschenkelödeme beidseits. Die Kommission prüft Kollegensprache. Patientensprache gehört ins Anamnesegespräch, nicht in den Brief.
Drittens: Procedere fehlt oder bleibt vage. Falsch: Weiter Betreuung, Kontrolle bei Bedarf. Richtig: Verlegung auf die Normalstation, Troponin- und EKG-Kontrolle in 24 Stunden, bei stabilem Verlauf Entlassung in 5 bis 7 Tagen. Schreiben Sie immer was, wann und wo kontrolliert wird.
So üben Sie das jede Woche
Schreiben Sie einen Brief pro Woche mit Timer: 60 Minuten, sechs Überschriften, ein Fall aus Ihrem Dienst oder aus dem Kurs. Lassen Sie ihn einmal korrigieren und schreiben Sie die korrigierten Sätze in eine eigene Liste. Nach vier Briefen haben Sie Ihre persönlichen Standardsätze — und genau die tragen Sie in die Prüfung.
Fazit
Ein guter FSP-Arztbrief ist kein Talent, sondern ein Formular mit Fachsprache. Lernen Sie die sechs Bausteine, schreiben Sie jede Woche einen Brief mit Timer und kontrollieren Sie mit der Checkliste.
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Häufige Fragen zum Arztbrief in der FSP
Wie ist ein Arztbrief in der FSP aufgebaut?
Kopf mit Daten, Anamnese, Befunde, Diagnose, Therapie und Procedere. Diese Reihenfolge erwartet die Kommission. Halten Sie sich strikt daran, auch wenn der Fall komplex wirkt.
Wie lang sollte der Arztbrief in der Prüfung sein?
Eine Seite reicht. Wichtig sind Vollständigkeit und Fachsprache, nicht Länge. Schreiben Sie kurze Sätze im Passiv und in der Fachterminologie, ohne Umgangssprache.
Welche Fehler kosten im schriftlichen Teil die meisten Punkte?
Fehlende Struktur, falsche oder fehlende Diagnose, Alltagsdeutsch statt Fachsprache und grobe Grammatikfehler. Auch fehlende Zeitangaben und ein unklares Procedere kosten Punkte.
