Deutsch für Pflegekräfte – vollständiger Leitfaden 2026
Wer in Deutschland als Pflegekraft arbeiten möchte, braucht mehr als Alltagsdeutsch. Dieser Leitfaden bündelt die Fachsprache Pflege, die Kommunikation mit Patienten, die Pflegedokumentation, die wichtigsten Abkürzungen, Beispiel-Dialoge, Übungen und typische Fehler in einem übersichtlichen A–Z-Glossar. Er richtet sich an internationale Pflegekräfte, die sich auf telc Deutsch B1/B2 Pflege, die Goethe-Prüfung B2/C1 oder den Berufseinstieg vorbereiten.
Jeder Abschnitt enthält konkrete Beispiele aus dem Pflegealltag. So können Sie das Gelernte direkt am Bett, an der Anmeldung oder im Dienstzimmer anwenden.
1. Fachsprache Pflege
Die Fachsprache Pflege ist der präzise Wortschatz, den Pflegefachkräfte in Klinik, Krankenhaus und ambulanter Pflege verwenden. Sie unterscheidet sich vom Alltagsdeutsch durch lateinisch-griechische Begriffe, kurze Nomen-Komposita und standardisierte Formulierungen.
Kernbereiche des Pflegevokabulars
Vitalwerte & Assessments
Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Temperatur, Sauerstoffsättigung, Schmerzscore (VAS), Glasgow Coma Scale, Barthel-Index.
Pflegemaßnahmen
Verbandswechsel, Wundversorgung, Injektion, Infusion, Katheterversorgung, Lagerung, Mobilisation, Körperpflege.
Prophylaxen
Dekubitus-, Pneumonie-, Thrombose-, Kontraktur-, Sturz- und Infektionsprophylaxe.
Strukturen & Prozesse
Pflegeprozess, Pflegeplanung, Pflegeanamnese, Übergabe, Visite, Pflegestandard, Expertenstandard.
Beispielsätze in der Fachsprache
- „Die Pflegekraft führt die Wundversorgung nach aseptischen Kautelen durch.“
- „Die Dekubitusprophylaxe umfasst Mikrolagerung alle zwei Stunden.“
- „Die Vitalwerte werden vierstündlich im Krankenbeobachtungsbogen dokumentiert.“
- „Der Patient erhält eine thromboseprophylaktische Medikation.“
Tipp: Lernen Sie Nomen immer mit Artikel und Plural – das Fieber, die Fieber; die Wunde, die Wunden; der Verband, die Verbände.
2. Kommunikation mit Patienten
Klare, einfache und höfliche Kommunikation schafft Vertrauen, erhöht die Patientensicherheit und erleichtert die Pflege. Pflegende sprechen Patienten immer mit „Sie“ und dem Nachnamen an – außer bei Kindern oder auf ausdrücklichen Wunsch.
Begrüßung und Vorstellung
- „Guten Morgen, Herr Müller, mein Name ist …, ich bin heute Ihre Pflegekraft.“
- „Darf ich eintreten?“ / „Stört es, wenn ich …?“
- „Wie darf ich Sie ansprechen?“
Schmerzen erfragen – die BAST-Regel
Beginn – Art – Stärke (0–10) – Treffpunkt (Ausstrahlung/Wo?)
- „Seit wann haben Sie Schmerzen?“
- „Können Sie die Schmerzen beschreiben – stechend, dumpf, brennend?“
- „Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie stark sind die Schmerzen?“
- „Wo genau tut es weh? Strahlt der Schmerz aus?“
Höfliche Aufforderungen und Erklärungen
- „Könnten Sie bitte den Arm ausstrecken?“ (statt Imperativ: „Strecken Sie aus!“)
- „Ich werde jetzt den Blutdruck messen – das kann leicht drücken.“
- „Haben Sie noch Fragen?“ / „Ist alles verständlich?“
- „Ich kläre das mit der Ärztin / dem Arzt ab.“
Vermeiden Sie Fachjargon gegenüber Patienten. Statt „Wir machen eine Antikoagulation“ sagen Sie besser: „Sie bekommen ein Medikament, das das Blut verdünnt.“
3. Dokumentation
Die Pflegedokumentation ist rechtlich verbindlich – was nicht dokumentiert ist, wurde nicht gemacht. Sie muss sachlich, präzise, nachvollziehbar und zeitnah sein.
Wichtige Dokumente
- Pflegeanamnese – Erhebung bei Aufnahme
- Pflegeplanung – Probleme, Ziele, Maßnahmen (PZM)
- Pflegebericht / Verlauf – tägliche Beobachtungen
- Vitalwerte- und Schmerzbogen
- Wunddokumentation und Medikamentenliste
- Übergabeprotokoll (SBAR)
Das SBAR-Modell für Übergabe
- S – Situation: Name, Station, aktuelles Problem.
- B – Background (Hintergrund): Diagnose, Vorgeschichte, relevante Werte.
- A – Assessment (Einschätzung): Was vermuten Sie? Vitalwerte, Zustand.
- R – Recommendation (Empfehlung): Was soll geschehen? Bitte an die Ärztin/den Arzt.
Beispiel-Pflegeberichteintrag
„14:30 Uhr – Patient klagt über ziehende Schmerzen im linken Bein, VAS 6. Unterschenkel leicht geschwollen, warm, keine Rötung. PZ-Maßnahme Hochlagerung durchgeführt, Arzt informiert, Wartezeit auf Rückruf.“
4. Abkürzungen
In der Pflege wimmelt es von Abkürzungen. Diese Liste zeigt die häufigsten – beachten Sie, dass jede Klinik eigene Ergänzungen haben kann.
| Abkürzung | Bedeutung | Erklärung |
|---|---|---|
| RR | Riva-Rocci | Blutdruck |
| Puls | — | Herzfrequenz / min |
| AF | Atemfrequenz | Atemzüge / min |
| SpO₂ | Sauerstoffsättigung | in % |
| Temp | Temperatur | Körpertemperatur in °C |
| VAS | Visuelle Analogskala | Schmerzskala 0–10 |
| i.v. | intravenös | in die Vene |
| i.m. | intramuskulär | in den Muskel |
| s.c. | subkutan | unter die Haut |
| p.o. | per os | über den Mund (Tablette) |
| BW | Bettlägerig / Bewegung | je nach Kontext |
| BZ | Blutzucker | in mg/dl oder mmol/l |
| DGKP | Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson | Qualifikation |
| z. B. | zum Beispiel | allgemein |
| pat. | Patient / Patientin | allgemein |
| kg | Körpergewicht | in Kilogramm |
Achtung: Mehrdeutige Abkürzungen (z. B. „AZ“ = Allgemeinzustand oder Arbeitszimmer) können zu Missverständnissen führen. Bei Unsicherheit ausschreiben!
5. Beispiel-Dialoge
Dialog 1 – Blutdruck messen
Pflegekraft: Guten Morgen, Frau Schneider, ich darf jetzt Ihren Blutdruck messen.
Patientin: Ja, natürlich. Wird das weh tun?
Pflegekraft: Nein, Sie spüren nur einen kurzen Druck am Arm. Bittehalten Sie den Arm ruhig und entspannt auf der Unterlage.
Patientin: So?
Pflegekraft: Sehr gut. … Ihr Blutdruck ist 130 zu 85 – völlig im normalen Bereich.
Dialog 2 – Medikamentenverabreichung
Pflegekraft: Herr Yilmaz, hier ist Ihr morgendliches Schmerzmittel, eine Tablette Ibuprofen.
Patient: Soll ich es vor oder nach dem Essen nehmen?
Pflegekraft: Am besten nach dem Frühstück, mit einem großen Glas Wasser. So ist es magenschonender.
Patient: Gut, danke. Und gegen die Übelkeit – nehme ich die immer noch?
Pflegekraft: Ja, das Antiemetikum bleibt wie vereinbart um 12 Uhr. Ich bringe es Ihnen dann.
Dialog 3 – Übergabe (SBAR)
Pflegekraft A: Situation: Frau Becker, Station 3, klagt seit einer Stunde über Atemnot.
Pflegekraft A: Hintergrund: Bekannte Herzinsuffizienz, letzte SpO₂ 91 %, RR 160/95.
Pflegekraft A: Assessment: Ich vermute eine beginnende Dekompensation, Patientin ist unruhig.
Pflegekraft A: Empfehlung: Bitte Oberkörper hochlagern, O₂ 2 l, Arzt informieren und Diuretikum prüfen.
Pflegekraft B: Verstanden, ich übernehme das sofort.
6. Übungen
Übung 1 – Lückentext Vitalwerte
Setzen Sie ein: Blutdruck · Sättigung · Puls · Temperatur · Atemfrequenz
- Der …………… wird mit dem Stethoskop und der Manschette gemessen.
- Die …………… gibt an, wie viel Sauerstoff im Blut gebunden ist.
- Ein normaler …………… liegt bei etwa 60 bis 100 Schlägen pro Minute.
- Fieber bedeutet eine erhöhte ……………
- Die …………… zählt die Atemzüge pro Minute.
Übung 2 – Höflich umformulieren
Formen Sie die Sätze höflicher um (Sie-Form, indirekte Aufforderung):
- „Steh auf!“ → ………………………………………………………………………
- „Zeig mir die Wunde.“ → ………………………………………………………………………
- „Nimm die Tablette!“ → ………………………………………………………………………
- „Sei ruhig!“ → ………………………………………………………………………
Übung 3 – Abkürzungen auflösen
Schreiben Sie aus oder erklären Sie:
- RR = ……………
- SpO₂ = ……………
- i.v. = ……………
- p.o. = ……………
- SBAR = ………………………………………………
Lösungen
Ü1: 1 Blutdruck, 2 Sättigung, 3 Puls, 4 Temperatur, 5 Atemfrequenz. Ü2 z. B.: „Könnten Sie bitte aufstehen?“ / „Dürfte ich mir die Wunde ansehen?“ / „Bitte nehmen Sie die Tablette ein.“ / „Wären Sie so freundlich, ruhig zu bleiben?“. Ü3: Riva-Rocci (Blutdruck), Sauerstoffsättigung, intravenös, per os (über den Mund), Situation–Background–Assessment–Recommendation.
7. Fehler der Pflegekräfte
Diese Fehler treten bei Pflegekräften mit Deutsch als Zweitsprache besonders häufig auf – und wie Sie sie vermeiden.
- 1. Sie/Ihnen/Du verwechseln. Patienten immer mit „Sie“ und Nachnamen ansprechen. „Du“ nur bei Kindern oder nach ausdrücklicher Erlaubnis.
- 2. Artikel und Kasus bei Fachbegriffen. Es heißt das Fieber, die Wunde, das Labor, der Verband. Lernen Sie Fachwörter immer mit Artikel und Plural.
- 3. Direkte Übersetzung aus der Muttersprache. „Ich bin kalt“ statt „Mir ist kalt“; „Ich habe 25 Jahre“ statt „Ich bin 25 Jahre alt“.
- 4. Unpräzise Dokumentation. „Geht es gut“ ist keine Pflegedokumentation. Besser: „Patient mobilisiert sich selbstständig, Schmerzen VAS 2.“
- 5. Imperativ statt höfliche Form. „Gib mir den Arm!“ klingt unhöflich. Verwenden Sie „Könnten Sie bitte …“.
- 6. Abkürzungen falsch deuten. Mehrdeutige Kürzel (z. B. AZ, BU) ausschreiben, um Behandlungsfehler zu vermeiden.
- 7. Vergessene Netiquette am Telefon. Mit Name, Station und Grund melden: „Pflegekraft Rossi, Station 4, Rückruf wegen Herrn Klein.“
8. Glossario A–Z
Begriffe für Pflegekräfte, von A bis Z – italiano e Deutsch.
- Anamnese (die)
- Raccolta della storia clinica e dei dati del paziente all’ammissione.
- Assessment (das)
- Valutazione strutturata dello stato del paziente.
- Blutdruck (der) / RR
- Pressione arteriosa.
- Dekubitus (der)
- Lesione da pressione (ulcera da decubito).
- Dokumentation (die)
- Documentazione infermieristica obbligatoria.
- Exsikkose (die)
- Disidratazione.
- Fieber (das)
- Febbre.
- Infusion (die)
- Infusione endovenosa.
- Katheter (der)
- Catetere.
- Mobilisation (die)
- Mobilizzazione del paziente.
- Nausee (die) / Übelkeit
- Nausea.
- Pflegeplanung (die)
- Pianificazione assistenziale (problemi, obiettivi, misure).
- Puls (der)
- Polso / frequenza cardiaca.
- Prophylaxe (die)
- Profilassi (es. profilassi decubito, trombosi, polmonite).
- Schmerz (der)
- Dolore.
- Sturzprophylaxe (die)
- Prevenzione delle cadute.
- Übergabe (die)
- Consegna del turno (handover).
- Verbandswechsel (der)
- Cambio della medicazione.
- Vitalwerte (die)
- Parametri vitali (pressione, polso, temperatura, saturazione, respiro).
- Wunde (die)
- Ferita.
- Zugang (der) / i.v.-Zugang
- Accesso venoso (ago cannula).
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